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Gesundheit für Alle

Aufbau eines Zertifizierungssystems mit überprüften Informationen zur Barrierefreiheit von Einrichtungen der ambulanten Gesundheitsversorgung (Gesundheit für Alle – GfA)

Projektkonzept und Ziele

Augangslage

Der 2. Teilhabebericht der Bundesregierung 2016 bestätigt, dass Patientinnen und Patienten mit Behinderung in Bezug auf ihre Gesundheitsversorgung vielfach deutlich schlechter gestellt sind als andere Patienten. Wie aus den Seiten 320 ff. dieses Berichts hervorgeht, liegen zur Erreichbarkeit, Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Gesundheitseinrichtungen keine gesicherten Daten vor. Die räumliche Zugänglichkeit und Nutzbarkeit wird näherungsweise anhand einer bundesweiten Abfrage der Stiftung Gesundheit dargestellt. Danach gaben von insgesamt 196.000 Arzt- und Zahnarztpraxen sowie psychotherapeutischen Praxen, die im genannten Ärzteportal des VDEK und der Stiftung Gesundheit aufgenommen sind, nur 11% an, mindestens drei von insgesamt zwölf Kriterien der Barrierefreiheit zu erfüllen.

Nach einer regionalisierten Sonderauswertung der Arztauskunft der Stiftung Gesundheit ist die hausärztliche Versorgung nur in städtischen Regionen mit einer hinreichenden Anzahl barrierefreier Hausarztpraxen gewährleistet.1 In zahlreichen ländlichen Regionen ist in einem Umkreis von 20 km entweder keine oder nur eine hausärztliche Praxis mit barrierefreiem Zugang und barrierefreien Räumlichkeiten zu erreichen. Von einer individuellen Wahlmöglichkeit der ärztlichen Leistung kann hier – insbesondere unter Berücksichtigung der Einschränkungen der Patientengruppe – kaum die Rede sein.

Ziel: Bereitstellung verlässlicher Informationen über die Barrierefreiheit ambulanter Gesundheitseinrichtungen

Unverzichtbar für ein System verlässlicher Informationen über Barrierefreiheit sind die Entwicklung entsprechender Kriterien und deren Abstimmung zwischen Verbänden der Behindertenselbsthilfe und der Leistungsträger im Gesundheitswesen. Ein solcher Kriteriensatz zur Beurteilung der Barrierefreiheit von Arztpraxen wird derzeit mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit von der NatKo erarbeitet. Im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege (StMGP) wird dieser Kriteriensatz anschließend ggf. angepasst und in einer Pilotphase auf etwa 100 ambulante Einrichtungen der Gesundheitsversorgung in Bayern angewandt.

Die zu erhebenden und zu prüfenden Daten beziehen sich dabei nicht nur auf die Arztpraxis selbst, sondern u.a. auch auf
• die Barrierefreiheit der Website der jeweiligen Einrichtung,
• Informationen über barrierefreie Parkplätze in unmittelbarer Nähe,
• die Barrierefreiheit des Zugangs zur Praxis vom Gebäude- bzw. Grundstückseingang aus,
• die Barrierefreiheit (Bewegungsmöglichkeiten) in der Praxis,
• die Barrierefreiheit der mündlichen und schriftlichen Kommunikation (vor, während und nach dem Besuch),
• die Schulung des Praxispersonals im Umgang mit behinderten Patientinnen und Patienten.