Alle Beiträge

Gelungener Jahresabschluss der Veranstaltungsreihe „Reisen für Alle“ in Wolframs-Eschenbach

Am 27.11.2018 trafen sich Vertreter der Tourismusbranche und Behindertenorganisationen zu den Themen „Reisen für Alle“ und „Vermarktung barrierefreier Tourismusangebote“ im Rahmen einer vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Veranstaltung in der Alten Vogtei in Wolframs-Eschenbach.

Die von der NatKo in Kooperation mit dem Tourismusverband Fränkisches Seenland und der Bayern Tourismus Marketing GmbH ausgerichtet Veranstaltung war mit rund 40 Teilnehmern aus verschiedensten Bereichen sehr gut besucht. Darunter fielen insbesondere Touristiker, Gastronomen, der Behindertenvertreter des Landkreises Ansbach sowie eine Vertretung der Beauftragten für Menschen mit Behinderung der bayerischen Staatsregierung. Da die Teilnehmer zum Großteil aus Bayern kamen, konnte das regionale Netzwerk an Leistungsträgern, die sich im Bereich des Barrierefreien Tourismus engagieren, gestärkt werden.

Neben einer Vorstellung der NatKo und des bundeseinheitlichen Informations- und Kennzeichnungssystems „Reisen für Alle“ durch den NatKo-Projektmanager Sascha Zobel, sorgten einige externe Referenten für den inhaltlichen Rahmen der Veranstaltung. In den Pausen hatten die Teilnehmer ausreichend Gelegenheit, ihr regionales Netzwerk zu stärken.

Gisela Moser, die sich in vielen verschiedenen Rollen, unter anderem als geprüfte Erheberin nach „Reisen für Alle“, stark im Bereich des barrierefreien Tourismus engagiert, referierte zu allgemeinen Grundsätzen des Marketings im Kontext der Vermarktung barrierefreier Angebote. Besonders im Fokus stand hierbei der Unterschied zwischen Zielgruppen und Bedürfnisgruppen und die wirksame Ansprache des Kunden über verschiedene Marketingkanäle.

Sibylle Gausing und Daniela Hitzler von der Bayern Tourismus Marketing GmbH stellten vor, wie „Reisen für Alle“ mit dem einzigartigen Konzept der „Pilotdestinationen“ in Bayern umgesetzt und langfristig etabliert werden soll. 2016 zählte das Fränkische Seenland, Gastgeber der Veranstaltung, zu den ausgewählten Destinationen, sodass zahlreiche Leistungsträger bereits Erfahrung mit dem System mitbringen. 2018 wurden 10 neue Pilotdestinationen ausgewählt, die sich zuvor mit Konzepten zur Umsetzung barrierefreier Angebote entlang der touristischen Servicekette beworben hatten.

Das bayerische Jugendherbergswerk stellte, vertreten durch seinen Vorstand Winfried Nesensohn, sein Konzept zur Umsetzung barrierefreier Angebote vor. Neben dem Ziel, in Zukunft alle Häuser nach „Reisen für Alle“ zertifizieren zu lassen, spielt das Jugendherbergswerk die Zertifikate auf der Übersichtsseite jeder Jugendherberge direkt gut sichtbar aus. Bei Neubauten werde darüber hinaus von vornherein die Barrierefreiheit bedacht und in das Baukonzept integriert. Beispielhaft dafür stehe die 2017 eröffnete erste Inklusions-Jugendherberge in Bayreuth.

Zum Abschluss berichteten dann der Ferienhofbesitzer Jan Hölscher, selbst mit seinem Ferienhof Birnbaum nach „Reisen für Alle“ zertifiziert, und Hans-Dieter Niederprüm, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Fränkisches Seenland von ihrem Engagement im Bereich des barrierefreien Tourismus. Jan Hölscher stellte dabei heraus, dass er sehr viele Buchungen von Gästen mit Ansprüchen an die Barrierefreiheit habe und grundsätzlich das System „Reisen für Alle“ gut finde, das System und seine Zertifikatsvergabe jedoch teilweise für seine Gäste schwer nachvollziehbar sei . Hans-Dieter Niederprüm berichtete vom Parallelsystem des Arbeitskreises „Seenland barrierefrei“ und präsentierte eine Vielzahl positiver Beispiele für Angebote in der Ferienregion, die diverse Aktivitäten und Möglichkeiten entlang der touristischen Servicekette umfassen.

Trotz kritischer Diskussionen zum System, das nach Ansicht einiger Teilnehmer Angebot und Nachfrage noch nicht vollumfänglich zusammenbringt, war das Fazit der Teilnehmer durchweg positiv. Einig waren sich alle, dass ein so komplexes Thema wie Barrierefreiheit nicht mit einer 0815-Lösung abgewickelt ist und dass die Bereitschaft auf allen Seiten gegeben ist, weiter gemeinsam daran zu arbeiten, „Reisen für Alle“ umzusetzen und somit die Barrierefreiheit im Tourismus Stück für Stück zu verbessern.