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Best-Practice Veranstaltung in Nordhorn am 13.09.2018 „Reisen für Alle“

Gelungene „Reisen für Alle“ Veranstaltung in Nordhorn (Niedersachsen)

Am 13.09.2018 trafen sich in Bad Bentheim, im Rahmen einer vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Veranstaltung, Vertreter der Tourismusbranche und Behindertenorganisationen zum Thema „Barrierefreies Planen und Bauen“ für touristische Leistungsträger.

Die Veranstaltung war mit 26 Teilnehmern aus verschiedenen Bereichen gut besucht. Darunter fielen insbesondere Touristiker, Gastronomen und Vertreter des Beirates für Menschen mit Behinderung des Landkreises Grafschaft Bentheim und des regionalen Seniorenbeirates. Die Teilnehmer der Veranstaltung kamen aus Niedersachsen, sodass das regionale Netzwerk an Leistungsträgern, die sich im Bereich des Barrierefreien Tourismus engagieren, gestärkt werden konnte.

Als Tagungsort dienten die Räumlichkeiten des Grafschaft Bentheim Tourismus e.V., welche während der Veranstaltung aufgrund vieler vorhandener Elemente des „Barrierefreien Bauens“ bereits reichlich Lob erhielten. Im Anschluss zeigte der Mitorganisator bereits Interesse sein Gebäude nach „Reisen für Alle“ zertifizieren zu lassen.

Neben einer Vorstellung der NatKo und des Kennzeichnungssystems „Reisen für Alle“ durch den NatKo-Geschäftsstellenleiter Jan-Peter Väthjunker, sorgten weitere externe Referenten für den inhaltlichen Rahmen der Veranstaltung, welcher in den Pausen die Basis für das Networking der Teilnehmer bildete. So berichtete beispielsweise Saskia Reurik, vom bereits zertifizierten Tierpark Nordhorn, wie das System und die Zertifizierung in einem Tourismusbetrieb ankommen und genutzt werden können. Neben der gesamten Anlage hat der Tierpark eine Ferienwohnung, die das Siegel Barrierefreiheit geprüft in der Qualitätsstufe „barrierefrei“ für Menschen mit Gehbehinderung und „teilweise „barrierefrei“ für Rollstuhlfahrer erhalten hat.

 

Im Gespräch mit dem Geschäftsstellenleiter der NatKo Tourismus für Alle Deutschland e.V., Jan-Peter Väthjunker äußerte sich Frau Reurik positiv über die bisherigen Erfahrungen des Tierparks Nordhorn mit dem Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“.

Jan Väthjunker: Wie sind Sie bzw. der Tierpark Nordhorn auf „Reisen für Alle“ aufmerksam geworden? Warum haben Sie sich entschieden den Tierpark Nordhorn zertifizieren zu lassen?

Frau Reurik: Der Tierpark ist durch eine Veranstaltung des IHK auf das Thema „Reisen für Alle“ aufmerksam geworden. Nach diesem ersten Berührungspunkt haben wir den Kontakt zur TourismusMarketing Niedersachsen gesucht, um mehr über das Thema an sich zu erfahren und haben uns dann für eine Zertifizierung entschieden. Wir haben uns dazu entschieden, da das Thema Barrierefreiheit im Tierpark Nordhorn und auch in seinen Ferienwohnungen schon lange eine große Rolle spielt. Rund 3% unserer Gäste verfügen über einen Schwerbehindertenausweis. Außerdem kommt Barrierefreiheit auch anderen Zielgruppen zu Gute (Kinderwagen, Bollerwagen, etc.). Da dieses Thema für den Tierpark eine Rolle spielt hat es für uns Sinn gemacht, das Ganze auch schwarz auf weiß zu haben. Hierfür eignet sich „Reisen für Alle“ als national anerkanntes Gütesiegel am besten. Das Ziel war es, Bestehendes zu nennen und Verbesserungen zu erkennen. Sowohl Menschen mit Handicap als auch den Mitarbeitern des Tierparks in Service und Verkauf soll „Reisen für Alle“ eine Hilfestellung geben. Für Gehandicapte ist es so einfacher herauszufinden, ob der Tierpark und die behindertengerecht ausgestattete Ferienwohnung für einen Besuch geeignet sind oder nicht. Für Service und Verkauf kann eine bessere Beratung der Gäste gewährleistet werden. Zudem deckt ein Zertifizierungsprozess natürlich auch Schwachpunkte auf, die bisher noch nicht entdeckt wurden und die gegebenenfalls verbessert werden können.

Jan Väthjunker: Welche positiven Erfahrungen haben Sie bisher mit der Zertifizierung nach „Reisen für Alle“ im Tierpark Nordhorn gemacht?

Frau Reurik: Der gesamte Zertifizierungsprozess ist für uns sehr positiv gelaufen. Die Ausführlichkeit der Kriterien mag auf den ersten Blick zwar „erschlagend“ erscheinen, wurden von uns aber sehr positiv wahrgenommen. Sie sind sinnvoll, um im Kontakt mit (potentiellen) gehandicapten Gästen darauf zu verweisen. Die Anforderungen von Menschen mit Behinderung sind vielfältig und die Kriterien ermöglichen eine einfache Kommunikation der Gegebenheiten vor Ort. So kann sich jeder Gast individuell auf einen Besuch vorbereiten.

Jan Väthjunker: Welche Resonanz haben Sie von den Besuchern des Tierparks hinsichtlich der Zertifizierung nach „Reisen für Alle“ bisher erhalten.

Frau Reurik: Die Resonanzen sind nach der Zertifizierung positiv. Die Kommunikation wird so für alle Seiten leichter. Gibt es spezifische Fragen zu unserer barrierefreien Ferienwohnung oder der Begehbarkeit des Tierparks an sich, können wir auf „Reisen für Alle“ und den entsprechenden online einsehbaren Zertifizierungsbogen verweisen. Dies scheint bisher gut zu klappen.

 

Weiterhin referierte Christian Mayer, Projektleiter „Reisen für Alle“ der TourismusMarketing Niedersachsen über die Fortschritte des Projekts auf Landesebene und warb dabei am Beispiel der Region Ostfriesland für eine flächendeckende Anwendung des Kennzeichnungssystems „Reisen für Alle“. Ostfriesland ist mit rund 110 zertifizierten Betrieben Vorreiter auf dem Gebiet des Barrierefreien Tourismus und strebt langfristig eine Zertifizierung als barrierefreie Region an.

Ebenso interessant und aufschlussreich wie seine Vorredner wusste dann Michael Müller vom CbF Darmstadt die Teilnehmer zum Thema „barrierefreies Bauen“ zu informieren. Im Fokus stand dabei vor allem, dass zwar vielfältigste Sachverhalte und Behinderungen zu bedenken sind, wenn beispielsweise ein Gebäude von Anfang an barrierefrei geplant wird, dies jedoch weder große Schwierigkeiten im Prozess noch hohe Kosten verursachen muss. Im Gegenteil, bereits mit kleinen und günstigen Maßnahmen kann viel für die Barrierefreiheit getan werden.

Das Fazit der Teilnehmer am Ende der Veranstaltung war durchweg positiv. Ob durch neue Erkenntnisse aus den Vorträgen oder die Gespräche vor, während und nach der Veranstaltung. Alle Teilnehmer konnten an diesem Nachmittag weiter für das Thema „Reisen für Alle“ sensibilisiert werden.